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Daten & Fakten

Feenkrebs Weibchen Eubranchipus grubiiFeenkrebse gehören innerhalb der Branchiopoden ("Urzeitkrebse") zur Ordnung der Anostraca (SARS, 1867). Zu den Anostraca gehören neben den Feenkrebsen auch Salinenkrebse, also Artemia. Streng genommen müsste man Artemia also auch unter Feenkrebsen aufzählen - da Artemia aber einen solch ungewöhnlichen Lebensraum bewohnen, haben wir für sie einen eigenen Artikel geschrieben. Hier allerdings dreht es sich nur um Süßwasser-Feenkrebse.
Auch diese beinhalten mehrere Gattungen. Dazu gehören unter anderem (Eu)Branchipus, Chirocephalus, Streptocephalus, Thamnocephalus, Branchinecta, Siphonophanus und Tanymastix, mit den jeweiligen Arten und Unterarten. Man sieht schon jetzt: Im Gegensatz zu den Notostraca, wo es nur zwei lebende Gattungen gibt (Triops und Lepidurus), herrscht bei den Anostraca eine unglaubliche Artenvielfalt. Feenkrebse gibt es in allen verschiedenen Farben und Größen. Einige haben bunt leuchtende Körperteile, andere sind leuchtend grün gefärbt und einige werden mehr als 7cm groß. Die Vielfalt ist so groß, dass es kaum möglich sein wird, wirklich alle Feenkrebs-Gattungen und -Arten aufzuzählen.

Männchen mit Greifärmchen: Chirocephalus shadiniDennoch kann man von einem Feenkrebs eine grundlegende anatomische Beschreibung anfertigen. Im Grunde ist der Körper recht einfach aufgebaut. Er besteht hauptsächlich aus einer Mittelrinne mit Darm, an der einige Blattbeinpaare sitzen. Diese Blattbeinpaare dienen - wie bei allen Kiemenfußkrebsen - zum einen der Fortbewegung und zum anderen der Sauerstoffaufahme und der Kohlenstoffdioxidabgabe. Daher müssen die Beine immer in Bewegung sein. Bei Feenkrebsen ist eines auffällig: Die Beine bewegen sich nicht ruckartig wie bei Triops oder Artemia, sondern sehr gleichmäßig undChirocephalus shadini bei der Paarung deutlich schneller. So können sie wie ein Helikopter im Wasser schweben, ohne auf und ab zu gehen oder sich fort zu bewegen. Diese Eigenschaft hat den Krebsen wohl auch den Namen Feenkrebse verschafft.
Vorne hat ein Feenkrebs drei Augen (zwei Facettenaugen und ein Naupliusauge) und die Mundöffnung, durch die er sein Futter aufnimmt: Hauptsächlich Algen, die er aus dem Wasser filtert. Männchen besitzen am Kopf außerdem noch kleine Greifärmchen, die sie zur Fortpflanzung benötigen. Chirocephalus shadinii Weibchen, auffallend sind die EiersäckchenZwischen den Augen befindet sich auch das Nervenzentrum, welches die Bewegungen steuert.
Am Ende des Körpers hat ein Feenkrebs eine kleine Furca, ähnlich wie Triops. Dies ist das einizge äußerliche Merkmal, welches einen Süßwasser-Feenkrebs von einer Artemia unterscheidet: Artemia besitzt nur eine winzige Furca, die von außen kaum zu Feenkrebszysten mit der Typischen Wabenstukturerkennen ist.
Hinter den Blattbeinen besitzen Weibchen noch ihren Eiersack. Bei jeder Art ist die Form und Farbe des Eiersackes unterschiedlich, daher dient dieser oftmals der genauen Bestimmung der Art. Bei den meisten (wahrscheinlich sogar allen) Feenkrebs-Arten ist ein Männchen zwingend zur Fortpflanzung nötig.
Die Eier von Feenkrebsen haben eine besondere Struktur. Sie sind etwas kleiner als Triopseier und haben spezielle Formen. Feenkrebseier sind nicht etwa annähernd rund, sondern haben eine zerklüftete, manchmal wabenartige Struktur. In der Vergrößerung ist dies besonders gut zu erkennen. Man kann also sogar an den Eiern erkennen, ob in ihnen Notostraca oder Anostraca stecken.

Streptocephalus sealii, ein weiteres Beispiel der FarbenvielfaltEine sehr bekannte Art ist Streptocephalus sirindhornae. Diese Art stammt aus Asien und wird sehr billig verkauft - im Gegensatz zu ihren amerikanischen Verwandten Streptocephalus sealii. Diese sind etwas seltener und teuerer.
Sehr schön ist auch die Art Chirocephalus shadini. Diese Tiere sind als Männchen leuchtend grün und als Weibchen bräunlich.

Der Räuber unter den Feenkrebsen ist hingegen Branchinecta gigas. Diese Art wird genau so groß oder noch größer als Triops und ernährt sich von kleineren Tieren, zum Beispiel anderen Feenkrebsen. Diese Tiere können bis zu 13cm groß werden und leben in den USA sowie Kanada. Sie bevorzugen außerdem niedrige Temperaturen von etwas unter 20°C und sind häufig in Gewässern zu finden, deren pH-Werte bei 8 oder höher liegen. Oft leben sie mit Branchinecta mackini zusammen, die sie mit Vorliebe verspeisen. Chirocephalus shadinii kommt nur im Frühjahr, meist in Osteuropa vorAußer Branchinecta mackini gibt es auch Branchinecta raptor, die Artgenossen verzehren. Sie sind allerdings noch seltener und bleiben auch kleiner.Eine weitere sehr schöne Art ist Branchipus schaefferi. Diese Art kommt überall in Europa vor und kann sehr viele verschiedene Farben annehmen. Manchmal besitzt sie in allen Farben leuchtende Eiersäcke, manchmal ist sie komplett gelb gefärbt.
Eine sehr häufige Art ist der amerikanische Eubranchipus vernalis. Dieser wird sehr häufig im Handel angeboten und kann sehr hell weiß bis braun-rot gefärbt sein.
Branchipus schaefferi MännchenEine ungewöhnliche Form hingegen besitzt Thamnocephalus platyurus. Am Schwanz besitzt er statt einer Furca zwei größere Säckchen, die an einen Biberschwanz erinnern. Daher auch der Trivialname Biberschwanzfeenkrebs.
Die vielleicht schönste Art ist Eubranchipus holmani. Sie glänzt am ganzen Körper gelbgrün und ist in einigen wenigen temporären Gewässern in Virginia zuhause. Das Besondere an ihrer Erscheinung ist, dass ihre Farbe ein schon fast metallisches Glänzen aufweist.
Auch unter den Feenkrebsen gibt es einige Arten, die in Kaltwasser leben. Hier ist beispielsweise Eubranchipus grubii zu nennen, welcher in Deutschland vorkommt.

Den Höhenrekord unter den Feenkrebsen hält Branchinecta brushi. Diese Art kommt in Chile in fast 6000 Metern Höhe vor, was nicht nur als Rekord für Feenkrebse, sondern für alle Krebstiere gilt.

Dies sind nur einige wenige Beispiele der unglaublichen Artenvielfalt und Schönheit der Anostraca.

Quellen